Basel - Unterengstringen 31.12.2025
Distanz: 100 Kilometer
Zeit: 15 Stunden 12 Minuten
Steigung: 2750 Höhenmeter
Das Jahr neigt sich unaufhaltsam dem Ende zu – und der Laufzähler fürs 2025 ist im September bei der mickrigen Zahl «7» stehen geblieben. Ehrlich gesagt hat sich auch kein freier Tag mehr ergeben seit damals: Die Wochenenden waren fast alle in Sachen Eiskunstlauf ausgebucht, oder es gab andere private Verpflichtungen. Einmal im November hatte ich immerhin einen Termin im Auge: Aber an diesem einen möglichen Tag war eine derartige Kälte vorhergesagt, dass ich mich beim besten Willen nicht überwinden konnte, die Laufschuhe anzuziehen.
So sind die Wochen verronnen, und mir ist heimlich der Gedanken gekeimt, meine Unternehmung vom letzten Silvester nochmals aufleben zu lassen. Etwas Flexibilität hatte ich mir aber doch offengelassen: Idealerweise sollte es einen Lauf in der Altjahreswoche geben – nach Weihnachten und noch vor dem neuen Jahr. Ein freier Tag würde sich dann sicher irgendwie ergeben…
Als Route ergab sich schnell die Idee, von Basel nach Hause zu laufen. Basel ist als Ausgangspunkt schnell erreichbar, und eine Route über den Jura liegt nahe. Als Distanz wären die 100 Kilometer ideal, und zudem habe ich vor vielen Jahren die umgekehrte Richtung bereits mal eingeschlagen und bin damals nur bis Muttenz gekommen.
Als die Weihnachtstage vorbei sind, muss ich mit Gioia und einer Freundin aus dem SYS noch für zwei Tage nach Mailand inklusive einer Übernachtung (28./29.12.), und da ich nicht gleich am 30. loslegen kann, bleibt mir als Lauftag nur der 31.12. übrig. Zu meiner grossen Freude endet die lange Nebelphase genau ab diesem Zeitpunkt, und für Silvester/Neujahr ist strahlend blauer Himmel auch über dem Mittelland angesagt. Die brutale Konsequenz: Für den Morgen sind -6°C prognostiziert, das Thermometer wird auch tagsüber auf nicht mehr als maximal -1°C steigen…
Nun gilt es, mich sowohl mental als auch ganz praktisch für diese eisige Kälte vorzubereiten. Für letzteres kann ich die Erfahrung vom letzten Jahr aufbieten, und ich vergegenwärtige mir, dass es vor einem Jahr kältetechnisch sehr gut gelaufen wäre, wenn ich nicht unterwegs einen Handschuh und eine Mütze verloren hätte. Letztes Jahr hatte ich gemerkt, dass meine Laufhandschuhe zwar den Wind abweisen, selbst aber nicht viel Wärme produzieren (obwohl ich an jeder Hand ein doppeltes Paar getragen hatte). Deshalb habe ich mir bereits in Mailand in einem Decathlon ein paar Wollhandschuhe besorgt, die ich als wärmende Unterschicht tragen werde. Sonst war ich eigentlich gut gerüstet, abgesehen von den Handwärmern, die nicht mehr funktioniert hatten. So schaue ich dieses Mal, dass ich ein paar noch nicht abgelaufene Exemplare einpacke (wobei ich diese in der Praxis dann gar nicht brauchen werde. Einen Beutel aktiviere ich bereits auf der Hinreise im Zug und lege ihn in meine Bauchtasche, um hier vor allem das Telefon (und die Powerbanks) vor der Kälte zu schützen. Als eigentliche Wärmehilfe wird der Rest aber gar nie mehr zum Einsatz kommen…).
So weckt mich also an diesem letzten Tag des Jahres mein Wecker um kurz nach 6 Uhr, und von meinem Bett aus blicke ich in eine sternenklare und somit eiskalte Nacht. Um 6.40 Uhr besteige ich den Bus in der Langwisenstrasse, und im Migrolino am Bahnhof in Schlieren decke ich mich mit Gipfeli und Kaffee ein. In Altstetten steige ich in den Zug bis nach Olten und geniesse mein Frühstück. In Olten dann ein Umstieg, und um 7.50 Uhr komme ich an meinem Ausgangspunkt in Basel an. Ich bin bestens gelaunt und hoch motiviert, da ich meinen grössten Angstfaktor des heutigen Tages perfekt habe beseitigen können: Der schlimmste Moment bei einem Lauf im Winter sind nämlich die ersten zwei Kilometer direkt beim Start, wenn ich aus der Wärme des Zuges in die eisige Kälte trete und mein innerer Motor noch nicht warn genug ist, um die eisige Kälte halbwegs erträglich zu machen. Dieses Mal umgehe ich diesen brutalen Moment mit meiner alten Winterjacke, die ich letzte Saison ausgemustert habe. Neu jetzt ist aber die Einsatzdauer derselbigen: Hatte ich bis anhin meine alten Pullover, Jacken etc. jeweils nur für die Anfahrt zum Startort gebraucht und sie meistens im letzten Zug oder spätestens im Ankunftsbahnhof entsorgt, so plane ich heute, voll bekleidet und neu mit der Winterjacke über der Laufkleidung loszulaufen.
Als ich langsam gegen Basel zufahre, mache ich mich bereit: Langes Lauf-Shirt, Laufjacke, darüber die Regenjacke. Stirnband, darüber Mütze, dazu ein Halstuch, das ich mir gerade zu Beginn bis unter die Nase hochziehe. Zwei paar Handschuhe – und neu jetzt auch noch die Winterjacke vom letzten Jahr. Beim Anziehen der letzteren bemerke ich noch ein Detail, das mir bei der Planung entgangen war: Dass der Laufrucksacke unter der Winterjacke Platz hat, war ich mir sicher. Aber dass ich noch die Stecken daran befestigen würde, habe ich nicht bedacht… So gebe ich aktuell sicher eine komische Figur ab mit meinen absurd breiten und eckigen Schulter und der etwas zu kurzen Jacke. Aber es ist mir egal und tut meiner Zufriedenheit keinen Abbruch, denn ich fühle mich unter all diesen Schichten pudelwohl, und noch selten (ausser im Sommer) haben sich die ersten Meter so angenehm angefühlt wie an diesem Morgen bei -6° Kälte!


Bei Kilometer 7 beginnt der Anstieg, und hier verlasse für längere Zeit die Zivilisation und bewege mich auf Feld- und Waldwegen durch die unbewohnte Landschaft. Hier werde ich auch langsam von den ersten Sonnenstrahlen begrüsst, und ich laufe mit geöffneter Regenjacke. Fotos entstehen von dieser Etappe keine; nicht, weil es langweilig wäre, aber auch nicht so spektakulär, um Denkwürdiges mit der Kamera festhalten zu müssen.
Die Strecke erscheint mir allmählich länger als erwartet, und ich frage mich, ob ich vielleicht gar nicht nach Liestal hinuntersteigen muss und schon viel weiter bin.

Bei Kilometer 21 (2 Stunden 40 Minuten) befinde ich mich schliesslich wieder ganz im Tal und mit Liestal auch wieder voll in der Zivilisation. Nun beginnt der mental schwierigste Abschnitt des ganzen Tages: 9 Kilometer, die mehr oder weniger parallel entlang der Eisenbahnlinie bis Sissach und noch weiter führen. Diese Streckenführung ist der Tribut, den ich bezahlen muss, um etwas Zeit zu gewinnen; die Alternative wäre gewesen, auf und ab durch die Hügel zu laufen. Aber ich bin offensichtlich noch fit genug, um diese flache Strecke auf dem Asphalt mit einigermassen Anstand und stets joggend in einer knappen Stunde hinter mich zu bringen. «Lieber zu dieser Jahreszeit als in glühender Sommerhitze», denke ich mir dabei zu meiner inneren Selbstmotivation.
Interessant sind hier die Temperaturunterschiede: In der Sonne überlege ich mir sogar, die Regenjacke auszuziehen, während ich mich im Schatten augenblicklich wie in einem riesigen Tiefkühler fühle…

Allmählich macht sich der Wunsch breit, einen Migros oder Ähnliches zu kreuzen – was mich realisieren lässt, dass ich offensichtlich echten Hunger verspüre – was mir ja bei einem Lauf im Sommer so gut wie nie passiert. Als ich schliesslich in Sissach direkt am Bahnhof vorbelaufe, ist mein Glück nahezu vollkommen (11.30 Uhr, Kilometer 30): Ich statte dem dortigen «Avec» einen Besuch ab und verlasse ihn – ich staune selbst über meine Gelüste – mit einem Sandwich (und einem Eiskaffee) in der Hand.
Normalerweise würde mir bei einem Lauf etwas derart Trockenes sofort im Hals stecken bleiben (im Idealfall schaffe ich den Verzehr eines kleinen Butterbretzelis).
Aber noch selten in meinem Leben habe ich ein solch leckeres Sandwich in meinen Händen gehalten, und im Weiterspazieren verzehre ich bis auf den letzten Biss diese einmalige Köstlichkeit , die jedes lukullische Mahl in den Schatten stellt…
Ein Stückchen geht es noch durchs Tal, dann kann ich diese Etappe endlich abhaken, und ich ziehe eine Anhöhe nach oben. Bald schon blicke ich zurück und erkenne unter mir Böckten und Gelterkinden (Bild unten).



Nach knapp 6 Stunden und Marathondistanz (42 Kilometer) habe ich die Jurahöhe erreicht, wobei ich dies zuerst gar nicht so wahrnehme, weil mir der Richtungswechsel nach Osten gar nicht bewusst wird und es ab hier noch weiter nach oben geht. Ab jetzt bin ich definitiv im Schnee, und eine knappe halbe Stunde laufe ich auf knirschendem Weiss.





Ich kreuze die Saalhöhe (mir vertraut vom Velofahren und früheren Wanderungen) (Kilometer 50, 7 Stunden) und habe kurz davor mit 900 Metern den höchsten Punkt für heute erklommen.
Um 15.45 Uhr gelange ich zwischen Benkerjoch und Staffelegg zum «Herzberghof»: Ich kann mich gut an das markante Zickzack dieses Wegstückes erinnern.
Hier lädt eine idyllische Holzbank zu einem letzten Verweilen ein, denn es ist klar ersichtlich, dass die Sonne mich nicht mehr lange begleiten wird.

Die Frage, wo ich den Rest dieser Mahlzeit unterbringe, wenn ich genug davon habe, löst sich zu meinem grossen Erstaunen von ganz allein: Bis ich beim Parkplatz der Staffelegg oben angelangt bin, habe ich alles komplett aufgegessen! Ich glaube, dass dies das erste Mal in meinem Leben ist (abgesehen vielleicht von unserer Island-Velotour), dass ich eine ganze Tafel Schokolade in einem Zug verdrückt habe! Normalerweise bringe ich gerade beim Laufen gar keine Schokolade den Hals runter, oder dann höchsten eine Reihe. Nun aber schiebe ich Stück für Stück dieser Köstlichkeit in meinen Mund und bin fast ein bisschen traurig, als ich nur noch die leere Verpackung in der Hand halte! Mein Körper scheint den Zucker offensichtlich dringend zu benötigen…
Nach 8 Stunden 15 Minuten (Kilometer 57) stehe ich um 16.15 Uhr auf dem Staffelegg-Parkplatz und kann dort den Abfall entsorgen. Nun laufe ich definitiv im Schatten, so dass ich mir mein zweites Paar Handschuhe anziehen will. Dies gelingt mir noch knapp, aber beim anschliessenden Zuziehen des Jacken-Reissverschlusses muss ich definitiv kapitulieren. Ich beschliesse, das Vorhaben auf später zu verschieben und hoffe, mich bis dahin wieder etwas aufwärmen zu können. Aber ich kann definitiv nicht mehr länger stehen bleiben, denn dabei kühle ich viel zu schnell aus.
Eine Viertelstunde später ist es dann so weit, und ich bin sogar wieder warm genug, um Fotos machen zu können: Ich fange den Einbruch der Nacht ein, und vor mir erkenne ich den Hügelzug der fast schon heimischen Lägeren.
Gegen 17 Uhr gelingen mir ein paar schöne Aufnahmen der einbrechenden und fortschreitenden Dämmerung, und zugleich freue ich mich über den Mond, der in wenigen Tagen ganz voll am Himmel stehen wird. Allerdings wird mir sein Leuchten nicht viel nützen, da ich dummerweise meine nur leicht getönte Sonnenbrille in Klosters gelassen habe und ich aktuell mit einem eher dunklen Modell unterwegs bin. Aber ohne Brille laufen darf ich nicht, da sonst meine Augen zu fest dem Luftzug ausgesetzt wären und mir am nächsten Tag Ungemach in Form einer Augenentzündung drohen würde...



Eine meiner Tagesbeschäftigungen besteht übrigens darin, immer wieder meine potentielle Ankunftszeit zu Hause hochzurechnen. Ich bin aber jedes Mal beruhigt, denn es ergibt sich eigentlich immer eine Spanne zwischen 22 und 23 Uhr.
Inzwischen ist es definitiv dunkel. Interessanterweise fällt mir viel weniger als das vergangene Jahr auf, dass heute mit Silvester eigentlich ein besonderer Tag ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich etwas früher unterwegs bin. Aber auch Feuerwerk vernehme ich bis hier fast keines, und eine feierliche oder besondere Stimmung vermag ich dieses Mal effektiv nicht wahrzunehmen.
Um 17.45 Uhr entsteht mein letztes Foto dieses Laufes, als ich beim Schloss Wildegg vorbeilaufe und dabei unbedingt das friedliche Bild des beleuchteten Gebäudes mit dem geschmückten Weihnachtsbaum festhalten will. Danach komme ich aber auch gar nicht mehr auf die Idee, mein Telefon in der Kälte hervorzukramen, und auch jetzt benötige ich relativ lang, um mich wieder laufbereit zu machen. Dafür nutze ich die Zwangspause für die Installation der Stirnlampe, ohne die ein Weiterkommen im gleich beginnenden Waldweg unmöglich wäre.

In absoluter Finsternis laufe ich durch einen Wald langsam nach oben, habe dann aber das Gefühl, die gleiche Höhe wieder hinab ins Tal zu steigen und fühle mich an die Schikane des LG-Trails erinnert, als wir bei ca. Kilometer 80 einen Berg nach oben geleitet wurden, nur um ein paar Kilometer später wieder auf der gleichen Seite unten im Tal zu stehen. Aber jetzt hier durchzulaufen war gewiss schöner als unten der Hauptstrasse entlang zu ziehen…
Ich gelange kurz wieder in die Zivilisation (Brunegg), darauf laufe ich unter der Autobahn nach Zürich hindurch (kurz nach der Ausfahrt Mägenwil) – und plötzlich befinde ich mich im gefühlten Nichts. Ich laufe durch absolute Finsternis, ich vermute, durch offene Felder. Aber zu meiner Überraschung nimmt dieser Weg kein Ende. Es ist nicht beängstigend, aber ich vermag rundherum keine Anhaltspunkte wie Lichter einer Siedlung zu erkennen.
Interessanterweise geht es plötzlich auch leicht wellig weiter, was gegen ein typisches Feld spricht. Irgendwann laufe ich sogar durch Bäume, und ich habe wirklich keine Ahnung mehr, wo ich mich hier befinde.
Etwa eine halbe Stunde bewege ich mich durch diese unerwartete Einsamkeit, bis ich wieder auf eine Teerstrasse treffe und auf einer Brücke eine grosse Strasse quere: allmählich treffe ich in Mellingen ein. Nach 11 Stunden 20 Minuten (19.20 Uhr, Kilometer 77) quere ich die Reuss und werde mir wie bei einem früheren Lauf wieder bewusst, welch hübschen Kern dieses mittelalterliche Städtchen doch aufweist.
Durch ein Aussenquartier geht es etwas den Hang nach oben, und ich laufe wieder im Wald und bewege mich ab jetzt tendenziell stets nach oben. Ich freue mich, dass nun offensichtlich der Anstieg in Richtung Mutschellen beginnt und leite gedanklich somit langsam den «Endanflug» ein.
Lange geht es jezt immer nach oben, und überraschenderweise stosse ich plötzlich auf ein Dorf: Remetschwil (neben Oberrordorf). Etwas verwirrt stelle ich fest, dass der Anstieg danach noch weiter geht – ich habe zwischen hier und dem Ägelsee mit keiner Siedlung mehr gerechnet. Aber in der Finsternis ist es extrem schwierig, sich das Relief vorstellen zu können, da man keinen sichtbaren Horizont mehr vor sich hat.
Steil geht es immer weiter nach oben, und mit der Exposition nimmt auch der Wind zu. Ich hoffe, den Scheitelpunkt bald zu erreichen, denn langsam fühlt es sich ganz schön kalt an hier draussen.
Nach 13 Stunden und 85 Kilometern (21 Uhr) ist es so weit: Ich stehe beim Ägelsee und tauche wieder in der Schutz des Waldes ein: Ich freue mich auf jeden Meter, den ich bald werde absteigen können.
Obwohl das Ende sehr bald absehbar ist, liegt mir ein anderes Problem immer stärker im Magen: Meine Uhr behaupte nämlich hartnäckig, dass ich mein Ziel bei bereits Kilometer 95 erreichen werde. Ich war bis jetzt immer der Überzeugung, dass der Weg bestimmt noch fünf Kilometer länger werden wird – aber allmählich wird mir klar, dass mein eigentliches Ziel noch nicht das Ende des heutigen Laufes sein kann. Zwei Herzen schlagen jetzt in meiner Brust: Natürlich will ich so schnell wie möglich in die verdiente Wärme, aber so kurz vor dem magischen Ziel «100» kann ich bestimmt nicht aufgeben. Ich überlege mir also, wie geplant nach Hause zu laufen und von dort noch nach Geroldswil weiter zu ziehen, wo meine Familie zusammen mit Fiorella und Stephan am Feiern ist – nebenbei habe ich auch keinen Schlüssel dabei und muss meinen Lauf sowieso dort beenden.
Zum Glück geht es mir aber physisch und psychisch deutlich besser als vor einem Jahr, und so kann ich diesen Schlussteil immer noch zum grössten Teil joggend zurücklegen – auch wenn in einem gefühlten Schneckentempo.
Ich quere beim Bahnhof Dietikon die Gleise und laufe der Limmat entlang bis zur Limmatbrücke (Kilometer 94, 14 Stunden 15 Minuten, 22.15 Uhr), wo ich die letzten Vorbereitungen für den bald beginnenden Neujahresmarathon beobachten kann.
Nun verrechne ich mich ein weiteres Mal: Denn die Strecke bis zur Limmatbrücke bei der Fahrweid misst nur zwei weitere Kilometer: Bei Kilometer 96 biege ich hier nach rechts ab, und die Autobahn bei Geroldswil quere ich bei Kilometer 97. Hier bin ich im Schnitt bei einer Pace von 9 Minuten pro Kilometer…
Ich bin nah dran, hier einfach aufzuhören, kann mich aber Gott sei Dank dazu durchringen, die Sache noch durchzuziehen. Ich laufe wieder weg von meinem eigentlichen Ziel und hänge diverse sinnlose Schleifen an – und hoffe, dass meine Leute nicht jetzt schon vor der Tür stehen und auf meinen Einlauf warten…

Geplant hatte ich eine Ankunft zwischen 22 Uhr und Mitternacht – von da her habe ich mehr oder weniger eine Punktlandung hingelegt.
In der warmen Stube in zwei Decken eingehüllt lasse ich mich bei einer Fondue-Bouillon verwöhnen und leere ein Glas dieser Köstlichkeit nach dem anderen.

Auch die Tage darauf verspüre ich überhaupt keine Nachwehen (abgesehen vom obligatorischen Muskelkater), und ich bin ein weiteres Mal unendlich dankbar, dass mich mein Körper solche Abenteuer erleben lässt.
Und natürlich kommt der Gedanke in mir auf, ob solch ein 100-Kilometer Lauf zu Silvester nicht allmählich zur Tradition werden soll. Vorstellen könnte ich mir es auf jeden Fall…